Inform 2 / 2015
Table of Contents Table of Contents
Previous Page  26 / 32 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 26 / 32 Next Page
Page Background

26

02|2015

Aktion Mütze –

Eine Aktion zur Kopfschmerzprävention an Schulen

»Ich habe dreimal in der Woche Kopf-

schmerzen, bei den Hausaufgaben.« –

»Manchmal ist es nur, wenn ich zu müde

bin.« – »Das ging zwei Tage so, dann

hat Mama gesagt: ›Jetzt brauchst du auf

jeden Fall Medikamente.‹« Sätze wie

diese ließen die Lehrerin Karin Frisch

stutzig werden. Als sie von Prof. Hart-

mut Göbel, dem Leiter der Schmerz-

klinik Kiel erfuhr, wie häufig solche

Beschwerden sind und dass Kopfschmer-

zen bei Kindern und Jugendlichen seit

Jahrzehnten zunehmen, beschloss sie,

aktiv zu werden.

Der Schmerzspezialist und die Lehrerin entwickelten ein

Arbeitsheft, das sie im Unterricht erprobten und überarbeite-

ten, bis wirklich alles stimmte. Dann machten sie sich auf die

Suche nach Unterstützern für ihre »Aktion Mütze – Kindheit

ohne Kopfzerbrechen«: Jetzt können Schulen in ganz Deutsch-

land das Unterrichtsmaterial kostenfrei für ihre siebten Klas-

sen bestellen.

»Als wir während der Erprobungs-

phase in den Klassen fragten, wie viele Kin-

der unter Kopfschmerzen leiden, meldeten

sich zwischen 60 und 90 Prozent der Kin-

der«, berichtet die Lehrerin. Befragungen

des Robert Koch-Institutes bestätigen diese

Beobachtung. Dessen »KiGGS«-Studie zur

Gesundheit von Kindern ergab, dass 78 Pro-

zent der 10- bis 17-Jährigen Kopfschmerz-

erfahrung haben.

»Etwa 12 Prozent der Schulkinder leiden an Migräne, etwa

52 Prozent der Schulkinder leiden an Kopfschmerzen vom

Spannungstyp. Nur circa 8 Prozent aller Beschwerden wer-

den durch sekundäre Kopfschmerzen bedingt«, erläutert der

Schmerzexperte Prof. Göbel.

Kopfschmerzen können insbesondere das Lernverhalten

in der Schule stark stören, Aufmerksamkeit und Konzent-

ration können in Mitleidenschaft gezogen werden. Durch

häufiges Fehlen muss der versäumte Unterrichtsstoff nach-

geholt werden. Damit sind Schulkinder oft überfordert, sie

können dies nicht zusätzlich leisten. Die Freude am Unter-

richt geht verloren.

Die von Karin Frisch und Prof. Göbel entwickelte Unter-

richtseinheit vermittelt daher Spezialwissen: Über die verschie-

denen Arten von Kopfschmerz, ihre Ursachen und Gegen-

maßnahmen. Ein Fragebogen ermöglicht die Bestimmung

verschiedener Kopfschmerztypen und hilft, bei Beschwerden

die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Aber das Unterrichtsmaterial klärt Schüler (und ihre Leh-

rer) nicht nur auf, sondern bringt sie auch miteinander ins

Gespräch. Denn nicht alles hängt vom Verhalten der Kinder

und Jugendlichen ab: Eine günstigere Stundenplangestaltung

etwa können nur alle Beteiligten gemeinsam erreichen. Darum

werden auch die Eltern ausführlich informiert und einbezogen.

Zum Beispiel im Rahmen der Befragung, die beglei-

tend zur Unterrichtseinheit durchgeführt wird. Zwei Mal

im Abstand von sechs Monaten werden Schüler und Eltern

gebeten, gemeinsam einen Fragebogen auszufüllen. Dabei

geht es darum, ob und wie häufig das Kind

Kopfschmerzen hat, ob und wenn ja welche

Medikamente es dagegen nimmt und wel-

che Rolle das schulische und private Umfeld

spielen könnten. Die Befragung dient nicht

nur wissenschaftlichen Zwecken, sondern

trägt das Thema Kopfschmerzprävention

in die Familien.

Seit Mai 2015 können Lehrkräfte das

Unterrichtsmaterial bestellen. Langfristig

wollen Karin Frisch und Prof. Hartmut Göbel Kopfschmerz-

prävention fest im Stundenplan verankern. Bei ihrer Aktion

werden sie von den Kultusministerien der Länder unterstützt.

Das Geld für Druck und Versand der Arbeitshefte und Lehrer-

mappen kommt vor allem von den gesetzlichen Krankenkassen.

Die BKK vor Ort unterstützt die »Aktion Mütze«

Für unsere BKK vor Ort ist die »Aktion Mütze – Kindheit

ohne Kopfzerbrechen« eine ganz besonders unterstützens-

werte Initiative. Die direkte Ansprache in den Schulen und

die »Kopfschmerzprävention« im Stundenplan zu verankern,

hat uns absolut überzeugt. So werden die Schülerinnen und

Schüler wirklich sinnvoll unterstützt und lernen, besser mit

K

i

n

d

h

e

i

t

o

h

n

e