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Vor allem in Deutschland ist der Anteil an

sogenannter Absicherungsmedizin besonders

hoch, was wiederum zur Folge hat, dass auch

der Anteil der diagnostischen Strahlenbelastung

an der Gesamtstrahlenbelastung hoch ist. Beson-

ders bei Kindern und bei jungen Erwachsenen

muss deshalb bei der Indikationsstellung für

eine Röntgenaufnahme oder gar Computerto-

mografie das Strahlenrisiko berücksichtigt wer-

den. Man geht davon aus, dass etwa 1,5 Prozent

aller Krebserkrankungen durch Röntgenuntersu-

chungen verursacht werden.

(Lancet 2004; 363: 345-51)

Und wussten Sie, dass die allermeisten Auf-

nahmen bei Rückenschmerzen eigentlich voll-

kommen überflüssig sind? Bei Rückenschmerzen

ist das Röntgen kein besonders aussagefähiges

Diagnoseverfahren. Anders gesagt: Röntgen

bringt hier nicht viel. Übrigens Ruhigstellung

noch viel weniger – Bewegung ist wichtig, wenn

sie rückengerecht ist.

Woher wissen

wir das alles?

STATISTIK.

Für die meisten Menschen ist Statistik nur

etwas für Mathematiker. Dabei liest fast jeder

Bundesligastatistiken, entscheidet Skat- und

Pokerspiele aufgrund von statistischen Annah-

men oder geht Verkehrsstaus aus demWeg, weil

die Wahrscheinlichkeit, dass es hier um diese

Zeit kein bisschen vorwärtsgeht, einfach enorm

ist. Meist geschieht dieses Abwägen ganz unbe-

wusst, aufgrund von Erfahrungen und Annah-

men. Wir haben gelernt, Risiken einzuschätzen.

Statistik ist also ganz alltäglich. Sie hilft uns

dabei zu entscheiden, wie wahrscheinlich oder

unwahrscheinlich etwas ist.

Sie sagt uns, dass wir beim Lotto 140 Milli-

onen Mal tippen müssen, um den Hauptgewinn

einzustreichen (durchschnittlich, wir können

auch Pech haben, dann dauert es länger …).

Beim Lotto ist es nun wirklich nicht wich-

tig, sich nach statistischen Wahrscheinlichkei-

ten zu richten. Aber wenn es um Ihre Gesund-

heit geht? Sollten Sie dann nicht in der Lage

sein, die bestmögliche Entscheidung zu treffen?

Aber das ist gar nicht so einfach. Denn es hängt

sehr viel davon ab, auf welche Weise statistische

Ergebnisse präsentiert werden. Nehmen wir bei-

spielsweise das Thema Fettsenker. Hier diente

die Darstellung von Statistik tatsächlich dazu,

ein Präparat ordentlich aufzuhübschen, um es

schmackhaft zu machen.

Was denken Sie, wenn Sie lesen, eine The-

rapie reduziert das Risiko, an akuten Herzbe-

schwerden, Schlaganfällen zu erkranken oder

eine Koronarintervention bekommen zu müs-

sen (das ist die Behandlung von Engstellen [Ste-

nosen] der Herzkranzgefäße über Katheter),

um 37 Prozent? Die Angabe von »37 Prozent«

erweckt doch den Eindruck, als hätte die The-

rapie von 100 Behandelten bei 37 einen Herzin-

farkt oder einen Schlaganfall verhindert.

Doch das ist beileibe nicht so: Von 100

Patienten hatten 9 Prozent ohne Therapie

und 5,8 Prozent mit Therapie nach vier Jah-

ren Behandlung ein Ereignis. Das sind absolut

3,2 Prozent der Patienten, die von der Therapie

profitierten. Die Darstellung als »relative Risiko-

reduktion« – hier 37 Prozent – lässt den Nutzen

zehnfach größer erscheinen, als er in Wirklich-

keit ist, wenn man Angaben als absolute Risiko-

reduktion – hier 3,2 Prozent – darstellt. Das lässt

die Fettsenker als Wundermittel erscheinen, die

sie keinesfalls sind.

Beide Aussagen sind wahr, aber liefern ein

ganz unterschiedliches Bild.

(Quelle: Wie »korrekte«

Statistiken täuschen können, Deutsches Ärzteblatt 202, 01.04.05)

Die Gesundheitsindustrie setzt beide Metho-

den der Darstellung für ihre Zwecke ein. Raten

Sie einmal, welche Methode bei der Darstellung

von Nebenwirkungen genutzt wird. Natürlich

die absolute Häufigkeit: Damit wird der Ein-

druck erweckt, dass das Risiko nur sehr klein ist.

Geht es aber um den Nutzen von Therapien oder

ABSOLUT

RELATIV

37 %

3,2 %

© chang / istockphoto