Inform 2 / 2015
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www.bkkvorort.de

Unfallbedingte Verletzungen der Zähne

sind ein häufiges Ereignis. Von abgeschlage-

nen Zahnecken über locker bis vollständig

ausgeschlagene Zähne reichen die Ergeb-

nisse von Sport, Spiel und Spannung. Vor

allem sind obere Schneidezähne betroffen.

Die Folgen können die Gesichtsästhetik

erheblich beeinträchtigen und dadurch sogar zu psychischen

Erkrankungen führen. Die Behandlung der Verletzungsfolgen

kann extrem aufwendig, sehr belastend und teuer sein.

Ausgeschlagene Zähne können grundsätzlich mit besten

Aussichten auf Einheilung und Dauererhalt wieder in den

Kiefer zurückgepflanzt (replantiert) werden. Voraussetzung

ist, dass die empfindliche Wurzelhaut keinen Schaden nimmt.

Ein solcher Schaden tritt bei falscher Lagerung innerhalb von

Minuten ein. Bis der Patient beim Zahnarzt ist, ist so viel

Gewebe zerstört worden, dass an ein richtiges Einheilen nicht

mehr zu denken ist. Nur das sofortige Retten ausgeschlage-

ner Zähne in speziellen Lagerungsmedien (Zahnrettungsbox)

ermöglicht der Wurzelhaut das Überleben über ausreichend

lange Zeiträume. Leider ist in der Bevölkerung die Möglichkeit

einer erfolgreichen Zahnrettung nur unzureichend bekannt.

Das soll und muss sich ändern.

Aufbau eines bundesweiten

Zahnrettungsbox-Standortverzeichnisses

Analog zu den seit einigen Jahren bestehenden Standort-

verzeichnissen im Bereich der Defibrillation wird das Projekt

Zahnrettungskonzept für Deutschland nun mit der Listung

aller Standorte mit Zahnrettungsboxen beginnen. Ziel muss es

sein, zeitnah eine Zahnrettungsbox zu finden. Meist erleiden

Kinder Zahnunfälle. Daher sind vor allem Schulen, Schwimm-

bäder, Sportstätten etc. mit den Zahnrettungsboxen ausgestat-

tet. Die BKK vor Ort ist Projektpartner bei der flächendecken-

den Versorgung mit Zahnrettungsboxen. Daher sind unsere

bundesweit 70 Standorte für den Notfall mit der Rettungsbox

ausgerüstet. Eine Datenbank umfasst insgesamt über 26.000

Standorte. Alle Zahnarztpraxen, Krankenkassen, Apothe-

ken, Dentallabore, Unternehmen, Organisationen, Verbände,

öffentlichen Einrichtungen etc. werden

gebeten, bei Vorhandensein einer Zahn-

rettungsbox uns diesen Standort mitzu-

teilen. Der Eintrag in das Zahnrettungs-

box-Standortverzeichnis ist kostenfrei

und soll allen Menschen in Deutsch-

land helfen, nach einem Zahnunfall, an

welchem Ort auch immer, die nächste

Zahnrettungsbox über die Internetseite

www.zahnunfall24.de

zu finden, den

Zahn innerhalb kürzester Zeit erfolg-

reich einzulagern und damit eine opti-

male Grundlage für die zahnärztliche

Erstversorgung zu gewährleisten.

Ausgeschlagener Zahn

Sofort Zahn suchen

Sofort in Zahnrettungsbox eingeben

Nicht säubern oder desin zieren

Sofort Zahnarzt aufsuchen

Erstversorgung/Blutungen

Das Gewebe imMund- und Gesichtsbereich ist ausgespro-

chen gut durchblutet. Verletzungen in dieser Region können

daher sehr stark bluten. Dazu kommt der Schreck. Da stellt

sich alles meist sehr viel dramatischer dar, als es ist. Schmer-

zen haben die Verletzten eher wenig, die Blutung steht meist

schnell.Wichtig ist, den Verletzten sofort auf Verletzungen an

den Zähnen zu untersuchen. Vor allem muss schnell erkannt

werden, ob Zähne ausgeschlagen sind. Vorgehen: Verletzten

beruhigen. Mit Kompressen aus dem Notfallschrank gegebe-

nenfalls Blut abtupfen. Vorderzähne im Ober- und Unterkie-

fer untersuchen. Dazu die Lippe vorsichtig mit den Fingern

anheben. Wenn Zähne fehlen, sofort danach suchen und in

die Zahnrettungsbox eingeben.

Abgebrochene Zahnkronenanteile

Abgebrochene Zahnkronenanteile können häufig wie-

der an den Zahn angefügt werden. Dies ist die einfachste,

erfolgreichste und kostengünstigste Behandlungsmöglichkeit.

Voraussetzung: Die abgebrochenen Fragmente sollten nicht

austrocknen.

Keine Zahnrettungsbox verfügbar?

Für sehr begrenzte Zeit können Zähne wie folgt gelagert

werden: H-Milch, Plastiktüte, isotone Kochsalzlösung. Fal-

sches Lagern und falsches Behandeln führen sehr schnell zu

umfangreichem Gewebstod und zu Heilungskomplikationen.

Ganz schlecht sind Trockenlagern oder Aufbewahren in Was-

ser; innerhalb von Minuten stirbt das Gewebe vollständig ab.

Einige andere Lagerungsmedien verlangsamen den Gewebs-

tod, verhindern ihn aber nicht. Sie können notfalls als Zwi-

schenlösung für begrenzte Zeit dienen: isotone Kochsalzlösung

(maximal 30 Minuten), Plastikbeutel (verhindert Austrocknen,

maximal 30–60 Minuten), H-Milch (maximal 1–2 Stunden).

Es ist mit schlechteren Heilungsergebnissen zu

rechnen! Daher sollte der ausgeschlagene Zahn so schnell wie

möglich – jede Minute zählt – in eine Zahnrettungsbox umge-

lagert werden.

Beim Lagern unter der Zunge/in der Wangentasche besteht

die Gefahr, dass der Zahn verschluckt oder gar eingeatmet

wird. Dies kann lebensbedrohlich sein.

Unter

www.zahnunfall24.de

ist ein

Standortverzeichnis online abrufbar.