Inform 2 / 2014 - page 6

Kindern. Wenn die einfach mitmachen, haben
sie auch nicht gleich das Gefühl, voll aufdre-
hen zu müssen. Die planschen irgendwo herum,
während man selbst – nun, wie gesagt – langsam
seine Proteine denaturiert.
What happens in the Spaßbad,
stays in the Spaßbad
Kevin greift mit einem Wutschrei einen Kon-
voi von drei Mädchen auf aufblasbaren Enten
an. Die wissen sich zu wehren. Kevin flieht, die
Mädchen verfolgen ihn noch eine Weile. Ihre
Schreie ersterben langsam in der Ferne wie eine
längst vergessene Melodie im Wind. Nebenan
im Whirlpool befummeln sich zwei Teenager.
Zwei Mittzwanziger mit Tribals und Nasenrin-
gen gesellen sich dazu und knutschen ebenfalls
rum. Man könnte den Laden hier auch umbe-
nennen, denke ich, vielleicht in »Caligula-Ther-
me« oder in »Aphrodite-Paradies-Sauna«. Ich
lasse meine Gedanken schweifen, ich assoziie-
re und komme blöderweise recht bald auf die
Frage, warum die Leute hier so selten auf Toi-
lette gehen. Wenn ich im Spaßbad aufs Klo
gehe, bin ich da jedenfalls meistens allein, egal
wie voll die Bude ist. Das kann einen doch nach-
denklich stimmen, oder?
Dreitausendfünfhundertfünfundneunzig,
mehr oder weniger
Mein Sohn kommt wieder aus der Enddarm-
riesenwasserrutsche. Er sieht erschöpft aus
und lässt sich widerstandslos in die Umkleide-
kabinen abführen. Auf der Rückfahrt murmelt
er noch »Ein schöner Tag, Papa«, dann schläft er
ein. Ich sitze vorn am Steuer mit meiner Hybris.
Er hat ja so was von recht – das Spaßbad muss
nicht mir gefallen, sondern ihm. Ich nehme mir
vor, mich beim nächsten Mal mit der Wasser-
rutsche eingehend vertraut zu machen und mir
die Currywurst schmecken zu lassen.
Autor: Rüdiger Fischer
Studium der Philosophie.
Autor, Künstler,
Werbetexter.
Versicherter der
BKK vor Ort seit 2004.
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