Inform 2 / 2014 - page 20

ders die Situation für Patientinnen mit
Tumoren, die günstige Eigenschaften
haben, hat sich verbessert. So liegt
in Deutschland die Zehnjahresüber-
lebensrate der Frauen mit Brustkrebs
im Frühstadium und ohne Tumor-
befall in den Lymphknoten im Ver-
gleich zu den nicht an Brustkrebs er-
krankten Frauen bei über 95 Prozent.
Das hat allerdings viele verschiedene
Gründe. Eines aber ist klar: Diese Si-
tuation beruht auf Therapieentschei-
dungen, die ohne biomarkerbasierte
Tests nach den herkömmlichen Prog-
nosekriterien getroffen wurden.
Die biomarkerbasierten Tests werden
derzeit oft angewendet, um zu klären,
ob eine Chemotherapie verzichtbar
ist, auch wenn die bisherigen Kriteri-
en dafür sprechen. Einige Tests neh-
men für sich in Anspruch, diese Aus-
sage weitgehend unabhängig von den
vorgenannten »klassischen« Kriterien
treffen zu können – allerdings ohne
dass je in Studien untersucht wurde,
Biomarkerbasierte Tests:
Das müssen Sie wissen.
ob diese Entscheidungen wirklich
besser sind. Geeignete Studien wären
aber die Voraussetzung dafür, zu klä-
ren, ob man bei einer Entscheidung
gegen eine Chemotherapie aufgrund
eines biomarkerbasierten Testergeb-
nisses genauso gute Überlebenschan-
cen hat wie bei einer Entscheidung auf
Basis der klassischen Parameter.
In Deutschland werden derzeit meh-
rere biomarkerbasierte Tests ange-
boten. Verschiedene Tests, an ein
und derselben Tumorprobe ange-
wandt, müssten auch dasselbe Er-
gebnis zeigen, also entweder beide
für eine Chemotherapie sprechen
oder beide dagegen. Dies ist jedoch
nicht der Fall. Untersuchungen zei-
gen, dass es Abweichungen gibt. Es
ist dabei bislang unklar, welcher Test
die richtige Aussage macht, da noch
keine Langzeitbeobachtungen zu die-
sen Vergleichen vorliegen. Bevor Sie
also einen Test durchführen lassen,
sollten Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt
zu den bestehenden Unsicherheiten
befragen und dann gemeinsam die für
Sie beste Entscheidung treffen.
Eine absolute Sicherheit in der Ent-
scheidung für oder gegen eine Chemo-
therapie lässt sich nicht erreichen.
Dennoch sollten Sie im Bereich der
Möglichkeiten das Ausmaß an Si-
cherheit für sich wählen, das für Sie
akzeptabel erscheint. Das können Sie
nur, wenn Sie genau informiert sind.
Zu biomarkerbasierten Tests zählen
unter anderem
Oncotype DX
®
,
EndoPredict
®
, FEMTELLE
®
und
Prosigna
®
. Diese Tests sind derzeit
keine Regelleistung der gesetzlichen
Krankenversicherung, werden aber
gegenwärtig im Gemeinsamen Bun-
desausschuss dahingehend überprüft.
Das bedeutet aber, dass zum jetzigen
Zeitpunkt die Kosten für diese Diag-
nostik wegen der bestehenden Unsi-
cherheiten noch nicht übernommen
werden dürfen. Wir werden Sie selbst-
verständlich an dieser Stelle über die
weitere Entwicklung informieren.
Die neuen Tests versprechen, durch
Analysen von genetischen oder ande-
ren biologischen Eigenschaften der
Patientinnen die Behandlungen treff-
sicherer durchzuführen als bisher. Es
werden Gensequenzen gesucht, die
zum Beispiel für das Zellwachstum
oder das Einsprossen neuer Gefäße
verantwortlich gemacht werden – so
soll eine Aussage über das erwartete
Tumorverhalten möglich sein. Ob die-
se Biomarker jedoch tatsächlich eine
ausreichend genaue Auskunft für die
Therapieentscheidung liefern, bewer-
ten Studien bisher unterschiedlich.
Insgesamt ist das Risiko für einen
Rückfall aufgrund der weiterentwi-
ckelten Diagnose- und Behandlungs-
möglichkeiten im Laufe der letzten
Jahre immer kleiner geworden. Beson-
Chemotherapie: ja oder nein? Das ist für Krebs-
patientinnen und -patienten oft eine schwierige Frage.
Eine Reihe von sogenannten biomarkerbasierten
Tests stellt in Aussicht, diese Entscheidung bei der
Behandlung von Brustkrebs nach einer erfolgreichen
Operation zu erleichtern.
© humonia/istockphoto.com
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