Inform 2 / 2013 - page 8

Kampagne gegen
Mundkrebs soll
Leben retten
ereits jeden zweiten Tag wird die
Diagnose Mundkrebs in den entspre-
chenden Fachkliniken in Schleswig-
Holstein gestellt. Viel zu oft wird die
Krankheit aber erst in einem spä-
ten Stadium erkannt“, sagt PD Dr.
Katrin Hertrampf, Wissenschaftle-
rin und Zahnärztin an der Klinik für
Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
am Campus Kiel des UKSH. Die Fol-
ge sei, dass rund die Hälfte der Be-
troffenen kaum länger als fünf Jahre
überlebe. „Die frühe Erkennung und
Diagnose von Mundkrebs ist lebens-
notwendig“, so Dr. Hertrampf. „Sie
bedeutet eine deutlich verbesserte
Heilungschance, und die Behandlung
ist viel weniger belastend.“
„Die operative Therapie von Mund-
krebs ist für die Betroffenen beson-
ders belastend, je später der Tumor
entdeckt wird“, sagt Prof. Jörg Wilt-
fang, Direktor der Klinik für Mund-,
Kiefer- und Gesichtschirurgie. „Die
Tumore liegen im sensiblen Bereich in
der Mundhöhle und ihre Entfernung
kann zu funktionellen und ästheti-
schen Einbußen führen. Das bedeu-
tet eine erschwerte Kommunikation
und Ernährung. Aber auch im sozia-
len Umfeld können dadurch Proble-
me entstehen. Die Früherkennung ist
deshalb nicht nur entscheidend für
die Lebenserwartung, sondern auch
wichtig für die Lebensqualität der
Patientinnen und Patienten.“
Normalerweise ist unsere Mund-
schleimhaut völlig glatt, blassrosa
und weich. Ein unscheinbarer weißer
Fleck in der Mundhöhle kann Vor-
bote der Krankheit sein. Er ist nicht
unbedingt sichtbar und verursacht
keine Schmerzen. Zur Vorbeugung
und frühen Diagnose bedarf es ei-
ner regelmäßigen Untersuchung der
Mundschleimhäute. Sie erfolgt kurz
und schmerzlos während der halb-
jährlichen oder jährlichen Kontroll-
untersuchung beim Zahnarzt. Darü-
ber hinaus sollte jede Veränderung der
Mundschleimhaut, die man selbst be-
merkt und die länger als eine Woche
unverändert bleibt, von einem Zahn-
arzt oder Arzt untersucht werden.
Wie bei vielen anderen Krebserkran-
kungen steigt auch das Risiko für
Mundkrebs, wenn man regelmäßig
raucht. Ebenso verhält es sich mit
regelmäßigem Alkoholkonsum. Die
Kombination von Rauchen und Alko-
holkonsum erhöht das Risiko, an
Mundkrebs zu erkranken, deutlich.
Nichtraucher zu werden und den Al-
koholkonsum zu reduzieren heißt auf
jeden Fall, das Risiko zu verringern.
Wie bei anderen Krebserkrankungen
bekommen mehr ältere Menschen
Mundkrebs. Das Risiko steigt ab ei-
nem Alter von 60 Jahren an.
Im Vorfeld der Kampagne sind die
Zahnärzte für dieses Thema über ver-
schiedene Fortbildungsmöglichkeiten
sensibilisiert worden. Jetzt soll die Be-
völkerung über Früherkennung und
Risikofaktoren informiert werden.
„Wir hoffen, dass die Erkrankung so
früher diagnostiziert wird und sich
damit die Überlebenschancen erhö-
hen.“ Darüber aufzuklären ist das Ziel
der Kampagne „Gemeinsam gegen
Mundkrebs in Schleswig-Holstein“,
die Dr. Hertrampf ins Leben gerufen
hat. Dazu fand die Wissenschaftlerin
starke Partner: Nicht nur das UKSH
und die Christian-Albrechts-Univer-
sität zu Kiel (CAU), sondern auch das
Ministerium für Soziales, Gesundheit,
Familie und Gleichstellung unterstüt-
GESUNDHEIT
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