Inform 2 / 2013 - page 23

Im Gespräch
mit Frank Busemann
Ist Zehnkampf zu Recht die Königs-
disziplin der Leichtathletik?
Das kommt drauf an, wen man fragt.
Von den Athleten der Einzeldiszip-
linen hört man zumeist: „Ach, die
Zehnkämpfer. Die können zwar al-
les, aber nichts richtig.“ Gemeint ist
natürlich nur, dass Zehnkämpfer die
Spitzenleistungen der Einzeldiszipli-
nen nicht erreichen. Auf der anderen
Seite steht die Ansicht, dass nur der
ein richtiger Athlet ist, der seinem
Körper auf vielfältige Weise Höchst-
leistungen abfordern kann. Und eben
nicht nur den einen Bewegungsablauf.
Haben Sie sich schon immer an Ihre
„Ratschläge“ gehalten und sind des-
halb so erfolgreich gewesen?
Oh, nein. Wenn ich früher eine Nieder-
lage erlitten habe oder mir wieder ei-
ne Verletzung zugezogen hatte, bin ich
in Selbstmitleid versunken. Ich dachte,
ich sei der kaputteste Athlet der Welt.
Gerade vor den Olympischen Spielen
in Atlanta. Aber dass meine Sportler-
karriere so endet, wollte ich nicht. So
habe ich herausgefunden, dass es hilft,
sich auf das zu konzentrieren, was
funktioniert. Schmerzen im Ellbogen?
Dann konnte ich ja noch laufen. Die-
se Veränderung der Einstellung hat
geholfen. Und sie hilft auch im nor-
malen Leben.
Warum ist gerade ein Sportler ein
guter Ratgeber für das Thema „Mo-
tivation“?
Es geht im Alltag ja um dasselbe wie
im Sport: das Erreichen eines Ziels, es
geht immer irgendwie ums Gewinnen,
und sei es in Form von Zufriedenheit,
Ausgeglichenheit oder Ähnlichem.
Heute halten Sie Vorträge. Ist es Ih-
nen immer schon leichtgefallen, in
der Öffentlichkeit zu sprechen?
Oh, nein. In der Schule war ich eher
einer, bei dem der Lehrer nie genau
wusste, was für eine Note er geben soll,
weil ihm der Schüler überhaupt nie
aufgefallen war. Dann hieß es meist:
„Nun gut, wird wohl so um die 3 sein.“
So schlecht war das nicht. Inzwischen
ist das anders. Bei den Olympischen
Spielen 1996 fand ich es schon wun-
derbar, dass die Journalisten viele
Fragen an mich hatten – wenn ich so
aufgeregt bin nach einem Wettkampf,
bin ich in Erzähllaune, das muss dann
raus, das sind die Reste der aufgebau-
ten Anspannung.
ZEHNKAMPF
Der Zehnkampf der Männer (und der Sie-
benkampf der Frauen) gilt als die „Königsdis-
ziplin der Leichtathletik“. An nur zwei Tagen
zeigen die Olympioniken in vier Lauf-, drei
Sprung- und drei Wurfdisziplinen ihre Fähig-
keiten. Um in dieser Disziplin zu bestehen,
muss man sowohl vielseitig als auch ausdau-
ernd sein. Frank Busemann war darin so gut,
dass er die Silbermedaille bei den Olympi-
schen Spielen 1996 in Atlanta gewann.
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