Inform 2 / 2013 - page 11

Wie kommen Krankenhäuser dem
nach?
Berger:
Die Befragungsergebnisse
zeigen, dass in den Krankenhäusern
bereits heute einiges im Rahmen der
Kultursensibilität gemacht wird. Dass
dies in sehr unterschiedlichem Umfang
erfolgt, ist für mich nachvollziehbar.
Geografisch haben wir diverse Ballungs-
gebiete, wenn es um Menschen mit
Migrationshintergrund geht. Außerdem
ist die Gruppe der Menschen mit Mig-
rationshintergrund sehr heterogen. Nur:
Kultursensibilität ist für mich eine Hal-
tung, und es geht nicht nur um die Men-
schen, die einen Migrationshintergrund
haben, es geht dabei um den Umgang
mit der (kulturellen) Vielfalt im Kranken-
haus. Die Befragungsergebnisse zeigen
deutlich, dass die Einrichtungen im Rah-
men ihrer Möglichkeiten versuchen, auf
Sprache, Kultur, Essgewohnheiten, Aus-
übung der Religion auf verschiedene
Art und Weise einzugehen.
Die Krankenhäuser klagen über
wirtschaftlichen Druck. Kostet „Kul-
tursensibilität“ Geld und wollen sich
die Krankenhäuser das leisten?
Berger:
Die Befragungsergebnisse wei-
sen ganz deutlich darauf hin, dass vie-
les nicht nur mit Geld zu lösen ist. Ein
Beispiel: Krankenhäuser setzen nicht
immer professionelle Dolmetscher ein.
Wenn Sie die Gründe dafür lesen, kom-
men die finanziellen Gründe nicht an
erster Stelle. Nach meiner Interpretati-
on entsteht in vielen Einrichtungen im
Alltag plötzlich Lösungsbedarf in ganz
spezifischen Situationen – Übersetzung
in einer seltenen Sprache; eine kulturel-
le Besonderheit, die dem Personal nicht
geläufig ist. Dies erfordert aber etablier-
te Arbeitsvorgänge oder -anweisungen
(was mache ich, wenn das und jenes …),
die in vielen Fällen nicht vorhanden sind.
Ich bin nicht dafür, dass in den Einrich-
tungen eine Extrastelle für „Kultursen-
sibilität“ geschaffen werden soll. Es
reicht, wenn das Management die Rich-
tung vorgibt, das Qualitätsmanagement
diese mit Leben füllt und das Personal
danach arbeitet. Die Krankenhäuser
können ihre Herausforderungen häufig
leichter und schneller bewältigen, wenn
sie mehr Kooperationen mit externen
Personen und Institutionen eingehen.
Ein gut geführtes Haus wird so ein The-
ma mit Leichtigkeit lösen.
Sie halten dies grundsätzlich für
eine dringende Aufgabe?
Berger:
Die Notwendigkeit einer kul-
tursensiblen Haltung in unserer Ge-
sellschaft ist nicht nur ein Thema im
Krankenhaus – aber hier durchaus ein
besonderes. Nur ein Beispiel: In nord-
rhein-westfälischen
Krankenhäusern,
die an der Befragung teilgenommen
haben, werden unter dem Personal
zum Teil mehr als 25 Sprachen ge-
sprochen. Ist das nicht eine Bereiche-
rung? Die Vielfalt erfordert eine offene
Haltung, dass wir uns gegenseitig ver-
stehen, es geht nicht darum, für alles
eine spezifische Lösung anzubieten.
Daher begrüße ich es sehr, dass das
MGEPA und die BKK vor Ort beim The-
ma Kultursensibilität eine wegweisende
Rolle eingenommen haben. Sie haben
uns ermöglicht, die Situation in unse-
rem Bundesland zu erheben, und siehe
da: Es wird bereits vieles gemacht –
aber es gibt auch noch einiges zu tun.
„Ein gut geführtes Haus wird
so ein Thema mit Leichtigkeit lösen.“
© szefei/shutterstock
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