Inform 1 / 2016
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01|2016

Eine der häufigsten Operationen in Deutschland war die

Arthroskopie bei der Diagnose Kniegelenkverschleiß (Gon-

arthrose). Dieser minimalinvasive Eingriff am Knie sollte

Schmerzen lindern und die Beweglichkeit des Knies wie-

derherstellen. Hierfür wurde das Kniegelenk »gereinigt«

und der Knorpel geglättet. Das Institut für Qualität und

Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat je-

doch festgestellt, dass die therapeutische Arthroskopie

keinen Vorteil gegenüber anderen Verfahren – wie zum

Beispiel Physiotherapie oder medikamentöser Behand-

lung – oder gar keiner Behandlung bietet. Die Arthros-

kopie bei Kniegelenkverschleiß ist mit anderen Worten

nutzlos und wird deshalb von den Krankenkassen nicht

mehr bezahlt. Bei anderen Diagnosen, wie Verletzungen

der Kreuzbänder, der Menisken, bei einer Baker-Zyste, etc.

bleibt die Arthroskopie jedoch Kassenleistung. Unberührt

von diesem Ausschluss sind arthroskopische Eingriffe,

die aufgrund von Traumen, einer akuten Gelenkblockade

oder einer meniskusbezogenen Indikation durchgeführt

werden.

Was ist der Nutzen der Gelenkspiegelung?

Zwei Jahre nach einer Scheinoperation brauchten Pati-

enten im Durchschnitt 48 Sekunden, um eine Strecke

von 30 Metern zu gehen und eine Treppe so schnell wie

möglich hinauf- und wieder hinunterzusteigen. Patien-

ten mit Arthroskopie konnten nicht schneller gehen und

benötigten für die gleiche Aufgabe im Durchschnitt 53

Sekunden. Der Unterschied zwischen den Gruppen ist

zu klein, um daraus zu schließen, dass die Operation sie

verlangsamte. Doch ist eindeutig, dass die Operation

keinen Nutzen brachte. Weiterhin wurden Patienten ge-

beten, die Schmerzen und die Funktionalität des Knies

auf einer Skala von jeweils »0« (keine Schmerzen bzw.

hohe Funktionalität) bis »100« (starke Schmerzen bzw.

niedrige Funktionalität) zu bewerten. Dabei fand man

keine Unterschiede in der Schmerz- und Funktionalitäts-

bewertung zwischen den Patientengruppen, die behan-

delt wurden, und jenen, die nur eine Placebobehandlung

erhielten. Jede Gruppe bewertete ihre Schmerzen und die

Funktionalität im Durchschnitt mit ungefähr 50 Punkten.

FAKTENCHECK:

Knie-Arthroskopie

bei Arthrose

Das Ende einer Behandlungsmethode ohne Nutzen

Durchschnittliche Bewertungen von Schmerzniveau und Funkti-

onalität nach Kniegelenkspiegelung, bei der loses Gewebe oder

Ablagerungen aus dem Inneren des Gelenks herausgespült wer-

den. Die Ergebnisse wurden bis zu zwei Jahre nach der Operation

erfasst.

Wie beurteilen Patienten die

Knieschmerzen und die Funkti-

onalität des Knies?

50

%

50

%

PLACEBO

GELENKSPIEGELUNG

48'

53'

Wie viele Sekunden brauchen

Patienten, um so schnell wie

möglich eine Treppe hinauf- und

wieder hinunterzusteigen?

PLACEBO

GELENKSPIEGELUNG