Inform 1 / 2016
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Wie diese Beispiele zeigen, existieren genauso viele

Laufstile wie es Läufer gibt. Die gute Nachricht lautet

deshalb: Niemand muss beginnen, nur noch auf den

Fußballen durch die Gegend zu laufen, wie es vor Kur-

zem noch von Vertretern der Natural-Running-Bewegung

propagiert wurde. Wenig Dämpfung, wenig Sprengung

und natürliches Laufen auf dem Vorfuß, das sollte das

Rezept gegen die hohe Verletzungsquote von Läufern

sein. Doch die blieb trotz vieler verkaufter Barfußschuh-

Exemplare relativ konstant. Das Laufen auf dem Vorfuß

hat sich bei Crossläufen sowie bei Bahnrennen über

5.000 und 10.000 Meter bewährt. Während es bei diesen

Läufen eher darum geht, hohe Geschwindigkeiten zu

realisieren, kommt es beim Marathon darauf an, mög-

lichst lange mit den zur Verfügung stehenden Kräften

hauszuhalten. Der Vorfußlauf ist nun zwar wesentlich

dynamischer, dafür aber auch kraftraubender als der

ökonomischere Rückfußlauf und deshalb nicht ideal für

Langstreckenläufe. Der Mittelfuß-Stil ist gewissermaßen

ein Kompromiss aus beiden Extremen und eignet sich

für schnelle Halbmarathon- und auch gut trainierte Ma-

rathonläufer. Die Lehre daraus: Der richtige Fußaufsatz

ist immer abhängig vom Körperbau und den Ambitionen

des jeweiligen Läufers. Haile Gebrselassie ist ein gutes

Beispiel dafür, wann eine Umstellung sinnvoll ist. Von

seiner Bahnlauf-Karriere war er es gewohnt, auf dem

Fußballen zu laufen. Doch der Vorfußstil funktionierte

auf der Marathondistanz nicht, er war zu unökonomisch.

Richtig schnell wurde der Äthiopier in der Königsdiszi-

plin erst, als er begann, über den Mittelfuß abzurollen.

Infolgedessen lief er mehrere Weltjahresbestzeiten im

Marathon und stellte im Jahr 2008 einen neuen Welt-

rekord auf.

Laufen ist kinderleicht und dennoch ein komplexes Zu-

sammenspiel von Muskeln, Sehnen und Gelenken. Und

auch wenn uns das Laufen in die Wiege gelegt wurde

und jeder seinen eigenen Laufstil pflegt, sollten Läufer

immer wieder dieses Zusammenspiel trainieren, um ef-

fizienter, verletzungsfreier und schneller zu laufen. Denn

letztlich geht’s immer um die Gesundheit: Die beste

Verletzungsprophylaxe ist eine gut ausgebildete Lauf-

technik. Das folgende Lauf-ABC richtet sich an Einstei-

ger, Fortgeschrittene und Profis, die Übungen kann je-

der absolvieren. Wichtig: Saubere Ausführung geht vor

Wiederholungszahl und Streckenlänge. Die Übungen

sollten konzentriert und im ausgeruhten Zustand ab-

solviert werden, idealerweise vor einem Tempotraining

oder lockeren Dauerlauf. Suchen Sie sich einen flachen

Streckenabschnitt von 100 bis 150 Meter Länge. In eine

Richtung führen Sie die Übung aus, anschließend tra-

ben Sie locker zurück. Alle hier vorgestellten und noch

weitere Übungen finden Sie auch als Video auf unserer

Website unter:

runnersworld.de/laufabc

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