Inform 1 / 2015
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www.bkkvorort.de

Ab 2007 änderte sich die Lage dann allmäh-

lich. Die Technikjungs aus dem Silicon Valley

nahmen sich der Sache an. Sie waren es gewohnt,

Probleme zu lösen, indem sie Daten erhoben

und analysierten. Was lag da näher, als diese

Methode auch auf den eigenen Körper anzuwen-

den? Die Datenerhebung zur Leistungsoptimie-

rung, wie sie im Profisport längst gang und gäbe

war, wurde durch die Weiterentwicklung der

Smartphones auch für die breite Masse verfüg-

bar. Die im Smartphone verbauten Sensoren wie

Bewegungs- und Beschleunigungsmesser, GPS

und Höhenmesser oder Fotozellen und Mikro-

fone ermöglichen die Sammlung umfangreicher

Datenmengen. Es entstand eine Bewegung, die

sich unter dem Begriff »Quantified Self« oder

auch »Self-Tracking« der Selbstoptimierung

widmete. Das Paradigma von Quantified Self

ist nach eigener Aussage »Kenne dich selbst«.

Dass aus der antiken Aufforderung zur Selbster-

kenntnis »Erkenne dich selbst« schnödes Daten-

sammeln geworden ist, muss man vielleicht dem

Realismus der Benchmarkgesellschaft

1

zuschrei-

ben. Aber dazu später mehr.

Für die Praxis des Quantified Self braucht

man nicht viel. Ein Smartphone, ein spezielles

Armband und eine App, die aus dem Datenstrom

Tabellen und Charts erstellt. Anfänger können

die Anzahl ihrer Schritte pro Tag mit dem Smart-

phone messen lassen. 10.000 Schritte pro Tag

werden empfohlen (und sind recht ambitioniert).

Wer das nicht packt, wird von seiner App dazu

ermuntert, doch einmal das Auto stehen zu las-

sen und den Einkauf zu Fuß zu erledigen. Fort-

geschrittene erfassen ihre Laufstrecken per GPS,

die Pulsfrequenz, ihren Kalorienverbrauch und

Blutzucker und überwachen sogar den Schlaf.

Aus der Verknüpfung der Daten lassen sich jetzt

Aussagen treffen. Zum Beispiel könnte man ent-

decken, dass man nach einer Schlafdauer von

5:45 Stunden nicht mehr in den REM-Schlaf

2

gelangt und sich den Rest des nutzlosen Herum-

liegens sparen kann. Oder dass man nach Alko-

1

Benchmark: eine Manage­

mentmethode, die anhand

von Vergleichen mit

optimalen Prozessen eigene

Prozesse optimieren will.

2

Der REM-Schlaf gilt als

erholsamer bzw. nützlicher

Schlaf.

Meine erste App zur Selbstvermessung war eineWaage. Ich hatte irgend-

wie das Gefühl, immer fetter zu werden. Also stellte ich mich auf die

Waage, um die Fakten zu checken. Das Ergebnis war keine große Über-

raschung – ich hatte tatsächlich ordentlich zugelegt. Später hatte ich dann

noch ein Pulsmessgerät. Das zeigte aber eigentlich immer nur 130 an,

wohl auch, weil ich meistens in einem gleichförmigenTempo laufe. Mit

anderenWorten: Der Erkenntnisgewinn, den ich durch die erste Genera-

tion von Self-Tracking-Tools erzielte, war überschaubar.