Ausgebrannt! Immer größer wird der
Schaden, den das Burnout-Syndrom
in unserer Gesellschaft anrichtet.
Männer wie Frauen, Führungskräfte
und einfache Mitarbeiter sind betrof-
fen. Hohe Ausfallzeiten und steigende
Krankheitskosten sind die Folge der
steigenden psychischen Belastungen.
13 Prozent aller Arbeitsunfähigkeits-
tage der Mitglieder unserer BKK vor
Ort wurden im Jahr 2011 durch psy-
chische Störungen verursacht. Die mit
Abstand höchste durchschnittliche
Falldauer von 36,3 Krankheitstagen
machen die psychischen Erkrankun-
gen aus. Das ist dreimal mehr als die
durchschnittliche
Arbeitsunfähig-
keit. Diese lag in jenem Jahr bei 13,6
Tagen. Zu ähnlichen Ergebnissen
kommt auch der Bundesverband der
Betriebskrankenkassen in seinem Ge-
sundheitsreport 2012.
Diese lange Falldauer wird zuneh-
mend zu einem gravierenden Problem,
sowohl für die Betriebe als auch für
die Krankenkassen. 21,9 Prozent aller
Krankengeldtage der BKK-Mitglieder
kommen durch psychische Störungen
zusammen. Lohnfortzahlung und -er-
satz, Behandlungskosten und Kran-
kengeld sowie durch Frühverrentung
entstehende Kosten gehen in die Mil-
liarden Euro. Nach Berechnungen des
BKK Bundesverbandes auf Grundlage
der Angaben des Statistischen Bundes-
amtes lagen die direkten Gesundheits-
kosten für psychische Störungen bei
28,6 Milliarden Euro. Rechnet man
die indirekten Kosten, beispielsweise
für Produktionsausfall, Frühverren-
tung oder vorzeitigen Tod, hinzu, er-
gibt das die unglaubliche Summe von
45,4 Milliarden Euro.
Die Statistiken müssten
eigentlich alle Alarm-
glocken in den Betrie-
ben schrillen lassen
Umso bemerkenswerter ist, dass Ar-
beitgeber eher zurückhaltend sind,
wenn es um die Umsetzung von Maß-
nahmen zur Förderung der psychi-
schen Gesundheit in ihrem Betrieb
geht. Dies berichtet Andrea Laudert,
Fachberaterin für Prävention/Be-
triebliches Gesundheitsmanagement
der BKK vor Ort: „Offenbar ist das
immer noch ein tabuisiertes Thema –
trotz der gestiegenen Medienpräsenz
von Schlagworten wie Burnout und
Stress. Diskutiert wird das Thema in-
zwischen schon in den Betrieben. Geht
es aber um die praktische Umsetzung
von Maßnahmen, ist die Unsicherheit
und die Zurückhaltung in den Unter-
nehmen offenbar noch groß.“ Dabei
scheint gerade die große mediale Prä-
senz des Themas der Hemmschuh zu
sein. Viele Firmen befürchten, dass ihr
Engagement gegen Burnout als Indiz
für ein ganz besonders schlechtes Be-
triebsklima gewertet werden könnte.
Auch Äußerungen einzelner Arbeitge-
ber und ihrer Vertreter, die Ursachen
psychischer Störungen lägen nicht im
betrieblichen, sondern im privaten Be-
reich, die unseren Gesundheitsexper-
ten immer wieder begegnen, sind für
die Umsetzung von Gesundheitsförde-
rungsmaßnahmen nicht hilfreich.
Ganz im Gegenteil tragen durchaus
auch die im Vergleich zu den letzten
Jahrzehnten veränderten Arbeitsbe-
dingungen dazu bei, dass sich Beschäf-
tigte mehr und mehr belastet fühlen.
Das Führungsverhalten von Vorge-
setzten spielt dabei eine große Rolle.
Aber auch die Angst um den Arbeits-
platz und zunehmender Arbeits- und
Zeitdruck sind extrem belastend.
Gleichzeitig sind ein geregelter Ta-
gesablauf, die sozialen Kontakte am
Arbeitsplatz und die Wertschätzung
geleisteter Arbeit wichtige Ressourcen
für seelisches Wohlbefinden – wenn
Arbeitsbedingungen gesund gestaltet
werden.
BURN
– und keiner will schuld sein
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GESUNDHEIT
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