Selbstständige: Beitragsreduzierung bei Gewinneinbruch

Plötzliche Umsatzrückgänge und Gewinneinbrüche treffen Selbstständige besonders heftig. Denn oft lassen sich die unternehmerischen Ausgaben nicht so schnell reduzieren wie die Einnahmen wegbrechen. Dies kann zu Zahlungsschwierigkeiten, im schlimmsten Fall bis zur Insolvenz führen.

Zum 01.01.2018 wurde das Verfahren zur Beitragsbemessung bei Selbstständigen grundlegend geändert. Die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge für das laufende Kalenderjahr werden nun zunächst vorläufig erhoben und dann – sobald die tatsächlichen Einkünfte des betreffenden Kalenderjahres über den Einkommensteuerbescheid festgestellt wurden – rückwirkend endgültig festgesetzt.

Im Falle eines Gewinneinbruchs bedeutet dies: Die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge wären nach wie vor auf Basis des letzten Einkommensteuerbescheides zu erheben – auch wenn die aktuellen Einkünfte gegebenenfalls viel niedriger sind.

Beitragsreduzierung – was ist zu tun?
Sobald festgestellt wird, dass der Gewinn erheblich zurückgeht, sollte unverzüglich Kontakt zur zuständigen Krankenkasse aufgenommen werden. Denn nur aufgrund dieser Mitteilung kann geprüft werden, ob die Beiträge reduziert werden können. Auch das Finanzamt sollte sofort kontaktiert werden; hier kann eine Anpassung der Steuervorauszahlungen beantragt werden. Der Vorteil: Durch eine geringere Steuervorauszahlung kann die Steuerlast sofort gemindert werden.

Wann ist eine Beitragsreduzierung möglich?
Eine Reduzierung der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge ist möglich, wenn sich das aktuelle, über den Vorauszahlungsbescheid nachgewiesene Arbeitseinkommen, um mehr als 25 % im Vergleich zum aktuellsten Einkommensteuerbescheid verringert hat. Ist dies der Fall, werden die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge ab dem Folgemonat aus dem aktuellen Arbeitseinkommen (auf Basis des og. Vorauszahlungsbescheids) berechnet.

Praxistipp
Die zuständige Krankenkasse sollte sofort informiert werden, wenn sich die Gewinne wieder stabilisieren. Die Beiträge werden dann umgehend an die aktuelle Einkommenssituation angepasst – und unliebsame Überraschungen aufgrund von Nachzahlungen bei der rückwirkenden, endgültigen Beitragsfestsetzung vermieden.

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